Niedrig dosierte Bestrahlung ist keine wirksame Behandlungsmethode bei schwerer Arthrose des Kniegelenks. Dies geht aus Untersuchungen hervor, die von der Rheumatologieabteilung der Sint Maartenskliniek gemeinsam mit der Abteilung für Strahlentherapie des Radboud-Universitätsklinikums durchgeführt wurden. In mehreren Ländern, darunter Deutschland, ist die Strahlentherapie eine gängige Methode zur Behandlung von Kniearthrose. Die einschlägige Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlichte am 29. Oktober 2018 die Ergebnisse dieser Studie.

Ein Team der Sint Maartenskliniek und des Radboud-Universitätsklinikums erforschte die Effekte kurzzeitiger Behandlung mit niedrig dosierter Strahlung auf die Entzündungsaktivität in der Gelenkkapsel des Knies. Dazu wurden 55 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Kniearthrose untersucht. Die eine Hälfte der Patienten wurde mit Strahlentherapie behandelt, die andere Hälfte nicht. Weder die Patienten noch die Forscher wussten dabei, zu welcher Gruppe sie gehörten.

Patientenerfahrung und Entzündungsaktivität

Die Strahlentherapie bestand aus sechs Behandlungen innerhalb von zwei Wochen. Wenn die Behandlung nach drei Monaten keinen deutlichen Effekt zeigte, wurde sie als wirkungslos betrachtet. „Dabei haben wir sowohl die Erfahrungen des Patienten – wieviel Schmerz empfindet er und inwiefern ist die Kniefunktion gegeben? – als auch die Befunde der MRT- und Ultraschalluntersuchungen auf einen Rückgang der Entzündung in der Gelenkkapsel in den Blick genommen“, erklärt Els van den Ende, Senior-Forschungskoordinatorin der Abteilung Rheumatologie und Pharmakologie an der Sint Maartenskliniek.

Keine Zukunft

Das Ergebnis: Vierzig Prozent der Patienten aus beiden Gruppen gaben an, eine leichte Verbesserung der Schmerzen und der Kniefunktion zu verspüren. Es sind also keine Unterschiede festzustellen. Auch die MRT- und Ultraschalluntersuchungen ergaben bei beiden Gruppen keinen Rückgang der Entzündungsaktivität in der Gelenkkapsel. Van den Ende: „Wir schließen daraus, dass die Strahlentherapie keine sinnvolle Behandlung bei Kniearthrose darstellt. In den Niederlanden sind wir daher der Meinung, dass diese Behandlungsmethode in ihrer heutigen Form keine Zukunft hat. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, ist die Strahlentherapie bei Arthrose weit verbreitet, ohne dass deren Wirkung jemals systematisch untersucht wurde. Deshalb halten wir es für wichtig, unsere Ergebnisse auf internationaler Ebene zu teilen“, so die Forscher beider Abteilungen.
Erste Vergleichsstudie

Die Studie zur Strahlentherapie als Behandlungsmethode für schwere Kniearthrose war Teil eines größeren Forschungsprojekts, in dessen Rahmen ebenfalls 55 Patienten mit Handarthrose untersucht wurden. Auch bei dieser Gruppe stellte sich die Behandlung mit Strahlentherapie als wirkungslos heraus. Hierbei handelte es sich um die erste Vergleichsstudie zur Bestrahlung bei Arthrose. „Wir werden weiterhin Forschung zur nichtoperativen Behandlung von Arthrose betreiben“, bekräftigt van den Ende. „Arthrose ist nicht heilbar, deshalb ist die Behandlung in erster Linie auf Schmerzlinderung ausgerichtet. Da eine Knieprothese nicht bei jedem Patienten immer das gewünschte Ergebnis bringt, versuchen wir, diesen Eingriff so lange wie möglich hinauszuzögern. Gerade darum ist es wichtig, nichtinvasive Behandlungsmethoden bei fortgeschrittener Arthrose zu untersuchen.“

Rheumatologie